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Pläne

zweistufiger Projektwettbwerb
Lebens- und Begegnungszentrum Grossfeld
Kriens, 2020-21
im Auftrag der Stadt Kriens
in Zusammenarbeit mit Clea Gross Architekten GmbH, Zürich; Ryffel & Ryffel Landschaftsachitekten, Uster

Der Umgang mit dem Bestand - eine Geschichte des Ortes und des Wohnens im Alter

Das Ende der 1960er Jahre gebaute Alters- und Pflegeheim war neben dem Einkaufszentrum an der Luzernerstrasse der einzige grosse Bau auf dem Geviert. Für die Gestaltung des Baukörpers gab es wenige städtebauliche Anknüpfungspunkte, so dass eine gewisse selbstreferentielle Formgebung durchaus berechtigt war. Seine ausladende Grundfigur besetzte das weiträumige Grundstück und schuf dadurch mehrere Aussenräume. Insbesondere an der Ecke Grossfeldstrasse/Horwerstrasse entstand ein nach aussen abgeschlossener Freiraum, der allein auf die Nutzungen im Erdgeschoss des Gebäudes orientiert war. Die Bewohner waren unter sich, eine Öffnung nach Aussen war nicht programmiert.

Spätestens mit dem Bau der Altenwohnungen Hofmatt und der Erweiterung der Schulanlage Grossfeld vollzog sich ein städtebaulicher Paradigmenwechsel. Waren die Bauten auf den beiden Arealen vorab nur auf ihre angrenzenden Strassen orientiert, wurde nun ein zentraler Binnenraum als öffentliche Grünanlage angedacht. Dieser ist aber bis zum heutigen Zeitpunkt nur durch ein rudimentäres Wegsystem von Aussen erschlossen. Das jetzige Pflegeheim verhindert als grossräumige Megastruktur die nötige Ausgestaltung des zentralen Freiraums.
Zum Wechsel der städtebaulichen Prämissen kommt in der Gegenwart die Neuorientierung beim Wohnen im Alter hinzu. Wurden die Altersheime in den 1960er und 1970er Jahren noch wie Krankenhäuser mit Stationskonzept für ihre „Patienten“ geführt, wird heute das Familien- und Quartierhauskonzept angestrebt. Wir sind der Meinung, dass dieses Wohnkonzept im bestehenden Bestandsbau nicht zu erfüllen ist. Die funktionalen Mängel in der Alltagstauglichkeit, der bauliche Zustand sowie unsere städtebauliche Analyse haben uns davon überzeugt, trotz aller gestalterischen Qualitäten einen vollständigen Rückbau des Bestands vorzuschlagen.

Prinzipien und Potentiale im Gebiet Hofmatt

Das vorliegende Projekt ist in der zweiten Phase an seiner städtebaulichen Grundidee, das Entwicklungspotential des Grossfeld-Areals zusammen mit dem Gebiet Hofmatt voll auszuschöpfen, weiterentwickelt worden. Anstelle der jetzigen Grossform des Alters- und Pflegeheims werden zwei Hauspaare für das Lebens- und Begegnungszentrum gleich der Zentrumsüberbauung Hofmatt sowie der Schulanlage an den Rand des Grossfeld-Areals gerückt. Sie spielen so die Mitte für eine zusammenhängende Parkanlage frei und ermöglichen gleichzeitig durch ihre Stellung und Grösse eine Durchlässigkeit von Aussen in diesen Freiraum mit prägnanter Adressbildung für die neue Anlage.

Wohnlichkeit und Raumatmosphäre

Das städtebauliche Konzept ist vom grossen Massstab geprägt. Genauso wichtig ist uns aber auch die Entwicklung des Projekts aus der kleinsten Einheit heraus. Die Wohnlichkeit der Wohngruppen, deren Charakter als Grosswohnung sowie die Gruppierung von je vier Wohnungen an einem gemeinsamen grosszügigen Treppenhaus bestimmen die Raumatmosphäre jedes einzelnen Hauses. Hinzu kommt im Sinne des hindernisfreien Bauens eine konsequente Vermeidung von Korridoren und genügend Raum für Bewegungen und Verweilen. Die Abfolge privates Zimmer-Wohnungen-Haus-Hauspaar-Ensemble lassen das Lebens- und Begegnungszentrum sowohl Innen wie auch Aussen als eine überschaubare Wohnsiedlung erscheinen und vermeiden den Ausdruck einer institutionalisierten Grossform.

Aus der kreuzförmigen Raumstruktur des Hauses wird die grosse Wohnung (240m2) für die Bewohner in vier Bereiche gegliedert. In den Gebäudeecken liegen alle nach Osten oder Westen orientierten Privatzimmer. Eine für diese Wohnform entwickelte Diele unterteilt nochmals die sieben Einzelzimmer in zwei Gruppen, erschliesst diese und ist gleichzeitig deren Raum für eigene Möbel, Sitzgruppen oder andere Aktivitäten. Im Kreuzungspunkt der Dielen und des Treppenhaues liegt der zentrale Raum der Wohngruppe, der Ess- und Küchenbereich sowie die Arbeitsnische für das Personal. Die Stube wiederum ist ein eigener Raum und bietet auch die Möglichkeit des Wechsels von einer Wohngruppe in die andere. So weist der Raumplan der Wohngruppe das ganze Spektrum von offenen Raumzonen bis zu geschlossenen Räumen auf. Er stellt den Bewohnern sowie dem Personal eine an zeitgenössischen Wohnbauten orientierte Grundstruktur zur Verfügung und kann von diesen individuell ausgestaltet und genutzt werden.